Der verdurstende Reisende

Schlagwörter

, , , , , ,

Fernab vom Lärm der rasenden Stadt, die Lichter, so blendend hell, im Rücken verschwindent, wandert der versurstende Reisende Zug um Zug immer weiter Richtung Westen. Knirschend schiebt sich der weiche Sand, schweren Schrittes, beiseite, um Welle für Welle sanft hinfort zu gleiten. Sein Blick, für einen Moment den Wellen folgend, lenkt sich nun doch einem kaum greifbarem Gefühl zu, leicht und flüchtig in der Hitze der Zeit. So schnell wie sich die Nacht über den Himmel schiebt, schreitet der Reisende, mit fast tänzelnder Leichtigkeit, jegliche Düne empor, bis zur Letzten. Und auch wenn er bis dort hin kaum ein Verlangen bemerkt hat, so war ihm doch immer so als würde etwas fehlen, etwas Wichtiges, etwas Warmes, etwas zum Überleben, doch der verdurstende Reisende, die rasende Stadt in Gedanken, entsinnt sich nicht, was die Seele braucht. Also wandert er weiter, stets Richtung Westen, die Ungewissheit im Gebäck und die Zuversicht vor Augen. Unermüdlich, nicht suchend, nur die ganze Welt im Blick, wandernt Tag für Tag, ohne auch nur seinen Blick zu senken.

Und mir war so, als hätte ich ihn gestern gesehen, mit einem Lächeln im Gesicht, festen Schrittes an mir vorbeigehend, die Augen grüßten freundlich, immer Richtung Westen.

Leise rieselt der Regen

Schlagwörter

, , , , , , , , , , ,

Zwischen Red Velvet Cake, der stillen Nacht, dem Lichtermeer, einem Glas Rotwein und dem Duft nach Bratkartoffeln, ein kleiner Gedanke zum weihnachtlichen Gefühl.

Pünktlich zum Fest habe ich mir gedacht ich nehme doch gleichzeitig eine Herausforderung an und verändere meine berufliche Welt ein wenig. Nicht, dass es mir nicht gefallen würde, wie ich ja schon erwähnt habe ist es zwar nicht mein Traum, aber es tut gut etwas zu schaffen. Nun hat sich eine Chance ergeben, etwas zu verändern, obgleich stressig und mit mehr Aufwand verbunden, habe ich mich hineingestürzt. Zeitgleich bedeutete dies: Urlaub ade! Denn eigentlich wäre ich nun schon seit letztem Donnerstag in meiner wohlverdienten Jahres- Ende- Pause, die Nähmaschine könnte rattern, ich würde backen und schlemmen und Löcher in die Luft starren, während ich mehrere Bücher umklammern und natürlich lesen wollte. Nun ja, ein bisschen Verlust ist immer, nicht wahr?

Veränderung hat ja nicht nur den einen Zweck etwas Neues zu schaffen oder neue Chancen zu öffnen, manchmal ergeben sich dann auch andere, unerwartete Kleinigkeiten die einen dazu verleiten Alles neu zu beleuchten. Zum Beispiel habe ich einen sehr netten, lustigen, tollen Arbeitskollegen näher kennengelernt in den letzten Wochen, so der Typ „bester Freund“ würde ich sagen. Sehr angenehm und Armungen gratis, neben schönen Gesprächen. Herrlich …….. bin gespannt, wann ich seine Lebensgefährtin kennenlerne, denn ein Kaffee neben der Arbeit darf ruhig mal sein. Arbeit ist ja sowieso nur schmückendes Beiwerk beim menschlichen Miteinander.

T. (ihr wisst ja, keine Namen hier!!) tut mir wirklich gut und er liebt mein Spritzgebäck, eine hervorragende Basis würde ich sagen. Wie dass mit Gesprächen so ist, manchmal kommen Themen auf, die man eigentlich lieber verdrängen würde. So fragte er letztens, ob ich denn gerne alleine wäre (so oder so ähnlich, ich bin ja schließlich kein Diktiergerät). Nun ja, er kann ja nichts von meiner unglücklichen Geschichte von Anfang des Jahres wissen und von meiner Einsamkeit seit vielen Jahren. Aber die Frage ist wirklich berechtigt, bin ich wirklich so weit abgestumpft, dass ich echt alleine sein möchte? Oder bin ich es aus der Not heraus? Oder um nicht verletzt zu werden? Oder weil ich einfach zu faul bin mit jemanden zu reden? Fragen über Fragen und wann kann man sie besser beantworten, als an Weihnachten. Die Antwort ist eigentlich sehr einfach: natürlich möchte ich nicht alleine sein, dies merkt man jetzt sehr schmerzlich. In der Stille der Jahreszeit vertieft mit David Bowie im Hintergrund, seine butterzarte Stimme streichelt die Seele, und einem Stück Red Velvet Cake auf der Gabel kommt man auf die Idee, dass der Kuchen auch für zwei Genießer reichen würde. Wenn nur alles so einfach wäre, wie einen Kuchen zu teilen müsste niemand alleine sein, nicht einmal ich. Nur es zulassen, sich öffnen und schauen, über den Bordstein gehen zu fremden Häusern, klopfen, klingeln, sprechen ist in der Theorie immer machbar, in der wirklichen Welt, aber manchmal unerreichbar. Es scheint alles Jahrhunderte in der Vergangenheit zu liegen, das Gefühl und der Mut und das Selbstvertrauen in die Anziehenskraft, wo immer sie auch stecken mag.

Mit Schrecken stellt man dann fest, dass das Leben rast und man doch noch viele viele Jahre vor sich hat. Und diese alle alleine verbringen? Meine Tochter wird nun auch nicht mehr allzu lang bei Mutti wohnen bleiben und in einigen jahren ihren eigenen Weg gehen. Schon flackert ein Horrorbild vor mir auf, wie ich mit leicht angegrauten Haaren umringt von 20 Katzen häkelnt auf einer abgewetzten Couch sitze und Likörchen süppel als wärs Wasser. Die Haustür verstaubt mit Spinnenwohnungen, da sie kaum genutzt wird und der Telefonanschluss wurde schon vor Jahren entfernt, mein bester Freund der Fernseher flackert wild vor sich hin, was genau dort läuft ist uninteressant….. Du meine Güte, ich sollte mir jetzt selbst eine klatschen um dieses Bild wieder aus dem Kopf zu bekommen (darauf ein Schlückchen Rotwein!!!).

Also NEIN, ich möchte gar nicht alleine bleiben! Und NEIN, 20 Katzen ersetzen keinen Menschen, es ist einfach nur gruselig.

Am Ende dieses Tages ist einiges klar, ich brauche mehr Gespräche mit T. und mehr lustiges und mehr Umarmungen und einen Kaffee zu dritt, ich muss dringend H. und B. (ich erzähle noch näheres) wiedersehen und das Allerwichtigste: ich muss heute noch eine Torte backen!

Also frisch ans Werk und bis dahin teile ich meinen restlichen Red Velvet Cake mit dir und euch und Ihnen und mit mir selbst.

Ich wünsche euch eine schöne, besinnliche, fröhliche und sturmsichere Weihnacht ….

Wie war das noch mit der ………

Schlagwörter

, , , , , , , , ,

….. Atomkrise und dem Klimawandel?

Fiktion oder Realität?

Wer weiß es schon genau!

Shooting mit einer jungen Frau die Ideen umsetzen konnte und wollte. Ist allerdings schon einige Zeit her, der Ort, an dem die Fotos (und einige andere ebenfalls) entstanden existiert leider nicht mehr, dort ist nun ein riesiges Loch mit Wasser drin.

Zack und die Welt sieht anders aus!

007

014Und jetzt einmal tief durchatmen, wer weiß wie lang wir das noch genießen können 😉

Keine Lücke für Missverständnisse

Schlagwörter

, , , , , ,

Im Laufe seines Lebens erlebt man sicher immer wieder Situationen in denen man zugleich tief verletzt ist, aber gleichzeitig auch genau weiß was Sache ist. Ja, genau diesen Moment hatte ich doch gestern. Im Vorfeld sei hier erwähnt, dass ich ja seit einigen Jahren heimlich verliebt bin (ja ich meine Jahre und nicht Monte), obwohl es heimlich ja nicht mehr trifft. Von meiner Liebesbeichte habe ich ja bereits Anfang des Jahres berichtet. Seitdem hatte sich ja nicht viel verändert, außer sein Verhalten …… irgendwie und das sehe nicht nur ich so, tut er immer so als ob er doch mehr Interesse hätte, strömt Undefinierbares aus und man hat wirklich das Gefühl er bräuchte eigentlich nur mehr Zeit und Vertrauen. Das Leben war bis gestern also ganz in Ordnung (ich klammere jetzt mal gerade das Chaos mit meiner Tochter aus, nur für einen Moment), klar er fragt nie wie mein Tag war und wenn ich von meinem Arbeitsleben erzähle scheint es ihn nicht wirklich zu interessieren, aber das ist nicht nur bei mir so. Aber gestern ……. wenn man merkt, dass man seinem Gegenüber total egal ist, dann verändert sich doch einiges. Die Situation spielt hier keine große Rolle, nur das Ergebnis war erschreckend: ich bin ihm egal ….. nur die Nachbarschaft zählt. Als wenn es nicht schon schlimm genug wäre Luft für die eigenen Eltern zu sein und sonst irgendwie auch total überflüssig zu sein, nun bin ich ihm auch noch egal.

So fühlt sich also eiskalte Luft, wenn man nicht darauf vorbereitet ist. Wie genau ich jetzt damit umgehen soll erschließt sich mir noch nicht ganz, denn eigentlich habe ich mit ganz anderen Dingen zu kämpfen, mit einer Tochter in der Pubertät die uns nicht als Familie sieht und mich halt auch entsprechend so behandelt. Ohne weiter ins Detail gehen zu müssen: Ich fühle mich so alleine wie nie zuvor… Was ist nur aus der guten alten Zeit geworden wo die Dinge nicht alle so fürchterlich kompliziert waren und Wahrheit, Vertrauen, Liebe, Respekt und Familiensinn noch keine Fremdwörter waren. Da habe ich mich Jahre lang dafür abgeschuftet eine Familie zu sein und mir etwas aufzubauen und jetzt festzustellen, dass alles doch nur Luft ist. Und anders als in schönen bunten Kinderfilmen, kann man in Luftschlössern nicht wirklich leben! Also den Bau hätte ich mir ja echt sparen können, genau wie meine Ehe, die auch was für Akte P war.

Damit wir hier nicht in eine Depression abrutschen, zwischendurch eine gute Nachricht. Am kommenden Dienstag habe ich meine 6 monatige Probezeit überstanden und habe somit noch mindestens 6 Monate einen Job, schlecht bezahlt, lächerliche 20 Tage Urlaub pro Jahr, kein freier Feiertag und oft genug Arbeit wie am Fließband, aber ein JOB!! Wenn das mal kein Grund zur Freude ist, ich werde innerlich mit mir selbst anstoßen, versprochen.

Und nu? Einfach abwarten? Alles ignorieren? Reagieren? Ich weiß es wirklich nicht, ich bin vollkommen ratlos ….. auf jeden Fall habe ich schon einmal 2 Wochen zum Nachdenken, denn er ist heute Morgen in den Urlaub gefahren, mal sehen …..

Der Verlust und eine hellwache Nacht

Schlagwörter

, , , , ,

Letzte Nacht, wie viele Nächte, verbrachte ich mit beiden Augen halb geschlossen, Ohren mit Stöpseln drin, die sanfte Musik von Florence Welch und der Gewissheit, dass in der Nachbarwohnung wiedermal bis in die Morgenstunden Krach und Geschrei veranstaltet wird (sie nennen es wohl feiern oder Party oder einfach saufen). Dieser Umstand begleitet mich nun schon seitdem ich hier wohne, mal mehr mal weniger, aber eigentlich immer nervig, gelegentlich so nervig, dass ich glatt eine dreistellige Telefonnummer wählen muss um überhaupt irgendwie ein paar Stunden Schlaf zu erhaschen.

Auf jeden Fall war gestern eine dieser Nächte und da mir recht viel durch den Kopf geht zur Zeit, habe ich diese Nacht genutzt um diesen Eintrag hier zu verfassen. Natürlich hatte ich wirklich keine Lust mitten in der Dunkelheit meinen kleinen PC zu bemühen hochzufahren und auf dem Tablet mag ich solche Texte so gar nicht schreiben (mistige Touchdingerteile …….). Also habe ich total altmodisch einen Block (Ja der mit „ck“) und einen Stift genutzt um die Gedanken festzuhalten.

Also hier nun das Geschriebsel letzter Nacht:

Verlust …..

Wir verlieren, tagtäglich Vieles und Einiges, desöfteren und öfters als es uns lieb ist. Man möge an die ganzen verloren gegangenen Schlüssel denken, manch einer kann dies sogar mehrmals pro Jahr beklagen und ist somit sicherlich liebster Stammkunde beim ortsansässigen Schlüsseldienst (Weihnachtskarte inklusive). Oder man stelle sich vor man würde alle jemals verlorenen Haargummis und Spangen von kleinen Mädchen aus Kindergarten und Grundschule auf einen Haufen legen …… Zack, die Sonne wäre verdunkelt. Ich persönlich verliere und vergesse Regenschirme und ich weiß gaaaaanz sicher, dass ich nicht die Einzige bin der dies passiert. Wir verlieren Geld, ob nun in Form von der wahrhaftigen Münze oder doch eher als virtueller Anlagenmist. Haare verlieren wir auch, besonders Männer sind hier betroffen, glücklicherweise gibt es ja viele denen der Haarverlust sehr gut steht.

Und was verliert man noch? Den Mut, die Liebe, die Ehre ……. den Arbeitsplatz, die Geduld, den Überblick ……. es gibt vieles im Leben was wir „besitzen“ oder glauben zu „besitzen“, ergo gibt es viel zu verlieren. Der Verlust, der jeden von uns einmal treffen wird ist der Verlust eines Menschen und auch wenn nun einige unter euch aufschreien mögen „Ja ICH lebe aber vollkommen alleine und ich habe echt NIEMANDEN!!“ muss ich an dieser Stelle sagen: auch ihr wurdet irgendwann einmal geboren.

Der Verlust eines Menschen, ob nun ganz nah bei einem selbst oder eher entfernt, ob man die Person gekannt, geliebt, gemocht, gehasst hat spielt kaum eine Rolle, gar keine Rolle möchte ich eher nicht sagen, der Verlust ist da und löst etwas in einem aus, egal wie lang es her sein mag.

So, nun fragen sich sicher einige warum ich denn überhaupt auf dieses Thema komme, denn so ganz offen gehe ich hier in der virtuellen Welt damit ja nicht gerade um. Und genau deswegen komme ich darauf, denn so im wirklichen Leben gehe ich auch nicht allzu offen mit dieser Art von Dingen um. Letzten Donnerstag habe ich genau diesen einen Verlust erlitten, es war absehbar und nicht überraschend, wenn man es so sagen kann: es passte alles. Wenn ein Mensch gelebt hat und gehen möchte und dies dann auch kann, kann man es nur als Glück bezeichnen. Nun gibt es allerdings Menschen in meiner Familie die finden es absolut nicht richtig wie ich mich vorher, währenddessen und hinterher „benommen“ habe. „Du musst dich melden“, „Denk daran wie das die Älteren sehen!“, „…… ja aber die und die haben das und das getan….“, „Das kannst du so nicht machen!“ und so weiter und sofort. Da kommt in mir die Frage hoch wer hier eigentlich festgelegt hat wie, wo und wann getrauert werden soll. Gibt es da ein Buch oder Gesetz von dem ich noch nichts weiß? Die eisernen Normen der regelkonformen Trauerarbeit? Immerhin bin ich 29+ Jahre alt, lebe mein eigenes Leben und mein Gehirn wiegt annähernd so viel wie das von Schiller, Goethe und Einstein, wieso spricht man mir meine Gedanken, Gefühle und Handlungen ab? Manchmal komme ich mir dann doch eher vor wie im Mittelalter, nur mit mehr Komfort.

Schlussendlich habe ich natürlich nichts geändert an meinem Verhalten, ich trauere genau wie ich es für richtig halte, denn schließlich ist es doch meine Trauer und nicht die der anderen. Jeder muss für sich entscheiden was seiner Seele Erleichterung verschafft und wie er mit den Verlusten im Leben umgehen möchte und kann. Individuell in allen Lebenslagen nur in der Trauer nicht? Höchst doppelzüngig nenne ich so etwas!

Gespannt bin ich dann noch auf die Beerdigung am kommenden Freitag, wer trägt das schwärzeste Kleid? Wer verheult die meisten Taschentücher? Wer hat die traurigste Miene? Wettkampf am Fußende des Sarges, da kann man nur hoffen, dass wo immer mein Opa sich nun befindet das Musikantenstadl aus vollen Rohren dröhnt und er fröhlich wippend nichts von der Heuchelei mitbekommt.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine stille, vielleicht sonnige und vor allem verlustfreie Woche!